cogito - ergo sum

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Herzlich Willkommen auf meiner Website !


Diese Homepage soll die Gedanken und Gefühle eines Menschen darstellen, der 40 Jahre in der DDR lernen, studieren und glücklich sein durfte. Ich werde zu aktuellen Ereignissen als Linker Stellung nehmen; denn  solange ich noch denken kann - existiere ich als Mensch. Desacartes hat es so treffend mit dem Satz ausgedrückt:

Cogito - ergo sum ("ich denke - also bin ich")                                


Genügend Zeit zum Nachdenken hatte ich ja seit 1989. Immerhin schon 23 Jahre. Seit 1989/1990 haben wir im Denken eine Metamorphose durchleben müssen. Als 1989/1990 die "Brüder und Schwestern" in unsere Betriebe und örtliche Verwaltungen, in Sparkassen und Banken, in die Redaktionsstuben der Presse, des Rundfunks und Fernsehens, in die Gerichte und staatlichen Organe, die Polizei und Volksarmee eindrangen, war auch ich, der in der DDR eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung als Kind einer Arbeiterfamilie absolviert hatte und hohe und verantwortungsvolle Aufgaben übertragen erhielt, zunächst einmal sehr interessiert daran, diese neuen Leute und ihr Anliegen kennen zu lernen. Wir vertrauten zunächst auch ihren Worten oder hörten sie erst mal geduldig an in der trügerischen Hoffnung, sie meinten es ernst mit den Vorhaben, gemeinsam auf der Basis des Erreichten eine Gesellschaft zu gestalten, die friedlich, ohne Bindung an einen Militärpakt zu Wohle des ganzen Volkes  wirkt. Ich erinnere mich noch an die Parolen von einer gesamtdeutschen Verfassung, an das Wort eines H.Kohl "von deutschem Boden soll niemals wieder ein Krieg ausgehen".  Ich erkannte sehr schnell, daß die Vertreter der BRD als "Heilsbringer" auch nur mit Wasser kochten. Später stellte ich fest, viele von Ihnen, was schlimmer ist, kochten mit einer Jauche aus Arroganz und Überheblichkeit einen für mich, um bei dem Bild zu bleiben, ungeniesbaren stinkenden Brei aus Lüge und Verleumdung, Diebstahl und Ausplünderung des Volkes. Bis heute hat sich daran kaum etwas geändert. Ich und mit mir sehr viele Menschen begannen das auszusprechen, die Gedanken und Schlußfolgerungen zu diskutieren. Ich weis, daß es sinnlos ist, das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen. Kürzlich fand ich im
"Rot Fuchs" einen Artikel des Chefredakteurs  Dr. Klaus Steiniger, der die Gedanken von uns Alten wiedergibt. Es geht uns darum die Glut, die uns beseelt hatte zu bewahren und an die nach uns kommende Generation weiterzugeben.

Denn es gilt immer noch : Sozialismus oder Chaos !

Ich erinnere mich noch sehr gut an die ständig wiederholte Floskel vom "Licht am Ende des Tunnels" das Politiker, Journalisten und andere, auch ehemalige Mitbürger, beobachtet haben wollten. Sie werden sich doch auch noch an diese lächerlichen Leute mit dem Tunnelblick erinnern.
Deshalb begann ich nach einem erneuten Studium der Werke unserer Klassiker zu recherchieren und Zeitzeugen in den verschiedensten Bevölkerungsschichten zu befragen. Als ehemaliges Mitglied der SED und Betriebsdirektor suchte ich das Gespräch auch mit ehemaligen Kollegen und damals jungen Menschen, für die ich die Bürgschaft übnernommen hatte, als sie um Aufnahme in die Partei der Arbeiterklasse gebeten hatten. Da ich mich nicht allein mit meiner politischen Auffassung fühle, schreibe ich diese Zeilen.

Früher, in der DDR galt das Wort eines Politikers oder Funktionärs etwas. Wenn z.B. der Ministerrat beschloß, dann und dann eine bestimmte Maßnahme einzuleiten, dann konnten wir das in den Kalender eintragen; denn die pünktliche Realisierung erfolgte mit Sicherheit.
Heute, unter BRD - Herrschaft, gilt das Wort der Regierung oder irgend eines Ministers oder Beamten eigentlich gar nichts. Der Vorgang nimmt etwa solch einen Weg. Bestensfalls widerruft dieser oftmals selbst irgendwann alles, da er ja nur missverstanden wurde oder er kann sich plötzlich an nichts mehr erinnern, die Unterlagen sind geschreddert worde oder sein Nachfolger verdreht alles ins Gegenteil. Nur eins bleibt; die fortschreitende Ausplünderung und das Belügen der Staatsbürger.
Daran haben wir DDR - Bürger uns inzwischen gewöhnen müssen.
Aber - das hat unsre Achtung gegenüber den Funktionsträgern der BRD so geschwächt, daß nur noch ein mitleidiges Grinsen bei deren Auftreten in der Öffentlichkeit übrig bleibt.
Umso widerwärtiger sind die ständigen Verleumdungen der DDR, die immer lächerlichere Formen in periodischen Abständen annehmen. Das passiert mit Sicherheit immer besonders in den Monaten Juni, August und Oktober. Wenn man die Menschen in einer Kleinstadt z.B. kennt, wundert man sich über solche, die plötzlich zu Opfern und Verfolgten wurden , die man jedoch früher ganz anders erlebt hat. So etwas habe ich als Kind schon mal 1945 erleben müssen, als plötzlich alle schon immer etwas gegen die Nazis gehabt haben wollen. An dieser sehr ähnlichen Erscheinung in der BRD trägt wohl ein Herr Kinkel ein gerütteltes Maß an Schuld. Er war es wohl doch, der 1990 zur Delegitimierung der DDR aufrief.
Ich gebe Ihnen hier einmal die Verfassung der DDR in einem Auszug zur Erinnerung zur Kenntnis. Das Volk der DDR hatte dreimal, nämlich 1949,1968 und 1974, nach einer umfassenden Volksaussprache in geheimer Wahl die Verfassung betätigt.
Ich beschränke mich dabei auf den Abschnitt II, Kapitel 1 (Grundrechte und Grundpflichten der Bürger) in der Fassung von 1974.
Den heutigen BRD - Bürgern müssen doch diese verfassungsgemäßen Grundrechte aber auch Pflichten, die wir hatten, wie ein Märchen aus einer anderen Welt erscheinen.
(nur zur Kenntnis falls Sie das nicht wissen sollten: Die Bürger der BRD wurden niemals zum Grundgesetz befragt)  
Selbst die Regierung der BRD kennt wohl ihr eigenes  Grundgesetz nicht ausreichend. Sonst würden wohl nicht soviele Gesetzeswerke immer wieder vom Bundesverfassungsgericht kassiert werden müssen - oder überhaupt erst als rechtens bestätigt werden müssen.

Ich wünsche Ihnen eine angenehme Lektüre. Ihr Axel Kohlsmann





Über Junge und Alte


Wir Alten aus dem Osten, welche - die Zeit der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung nach 1945 nicht mitgerechnet-vier Jahrzehnte lang durch die Wissen, Erfahrung und Klassenbewußtsein vermittelnde Schule der DDR gegangen sind, setzen bei anderen oftmals Dinge voraus, die sie gar
nicht kennen können. Nicht nur bei den meisten älteren Landsleuten aus dem Westen, die während der gleichen 40 Jahre ohne Unterlaß im „schwarzen Kanal" der kapitalistischen Medien gebadet wurden und dadurch zwangsläufig ein Zerrbild der DDR-Wirklichkeit verinnerlicht haben, sondern auch bei weitaus Jüngeren und ganz Jungen aus östlichen Breiten.
Wahrheiten, die in der DDR jeder Oberschüler erfuhr, kommen ihnen begreiflicherweise wie böhmische Dörfer vor. Solide politische Bildung ist längst auch zwischen Chemnitz und Rostock zur Mangelware oder gar zum Fremdwort geworden. Die Marxschen Erkenntnisse, daß alle menschliche Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen ist, daß jeder Staat nur als Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse und das Rechtals deren zum Gesetz erhobener Wille zu betrachten sind, wurden in der guten alten DDR in jeder Volkshochschule vermittelt. Es handelte sich also keineswegs nur um theoretische Abstraktionen für eine „Parteielite",sondern um gesellschaftliches Wissen, das sich Millionen Menschen erschloß.
Die inzwischen 20- bis 30jährigen, die heute im Osten lernen oder studieren, arbeiten oder ohne Job dastehen, haben von solchen Grundwahrheiten nie etwas gehört - es sei denn, sie kommen aus Elternhäusern, wo der wissenschaftliche Sozialismus noch eine Heimstattbesitzt.
In Gesprächen mit jungen Leuten auch aus dem eigenen Umfeld habe ich immer wieder feststellen müssen, daß die DDR - der trotz seiner Defizite und des Debakels am Ende beste Staat in der deutschen Geschichte-für sie so lange zurückliegt wie für uns der Große Deutsche Bauernkrieg. Begegnen sie aber aussagefähigen und an Bord gebliebenen Zeugen aus sozialistischen Tagen, empfinden sie die Schilderung des Geschehens nicht selten als regelrechte Offenbarung.
Vom Jahrgang 1932, habe ich ähnliche Erfahrungen mit Ereignissen vor „meiner Zeit" sammeln können. Obwohl kurz vor der Machtauslieferung an die Hitlerfaschisten - also noch in der Weimarer Republik - geboren, empfinde ich diese bis heute als eine „relativ weit zurückliegende Etappe" der deutschen Geschichte, vom 1. Wehkrieg, der erst 14 Jahre zuvor sein Ende gefunden hatte, ganz
abgesehen.
Solcherlei sollten wir uns stets vor Augen führen, wenn wir in die Gefahr geraten, der Unwissenheit nachfolgender Generationen mit dem Hochmut von Wissenden zu begegnen. Und noch etwas wäre da zu beachten: Weniger ist oft mehr. Es bringt keinen Nutzen, mit der Fülle eigener Kenntnisse und Erkenntnisse über Jüngere herzufallen. Einfühlsame Schilderungen von Wahrgenommenem, bei denen nicht nur an den Kopf appelliert werden sollte, wecken weit eher Interesse als belehrende Monologe. In einer glitzernden und gleißenden kapitalistischen Kulissenwelt, der gegenüber die schlichte Solidität der DDR scheinbar grau in grau war, ist das durchaus keine leichte Aufgabe. Hinzu kommt die Übermacht alter und neuer Medien, die zum Verzicht auf Tiefgründigkeit und inhaltliche Werte auffordern. Die „gebildete Nation", wie man die DDR-Bürger- obwohl das keineswegs alle betraf-einst mit gutem Grund nannte, ist längst Vergangenheit.
Dennoch sollte man nicht daran zweifeln, daß uns künftige Generationen darum beneiden werden, den vorerst einzigen ausbeutungsfreien, im Ansatz bereits sozialistischen Abschnitt der deutschen Geschichte selbst erlebt und mitgestaltet zu haben.
Wenn ich in der Endphase meines Lebens dessen Glückssträhnen - von ganz Persönlichem abgesehen - benennen sollte, fiele mir zweierlei ein: In diesem Monat sind es bereits 65 Jahre her, daß ich
-gerade 16-in Westberlin der Partei des solidarischen Händedrucks zwischen dem Kommunisten Wilhelm Pieck und dem Sozialdemokraten Otto Grotewohl beigetreten bin. In all dieser Zeit habe ich die Reihen organisierter Marxisten nie verlassen.
Erwähnen möchte ich auch die Tatsache, daß ich mit der Übersiedlung nach Ostberlin 40 Jahre Bürger der Deutschen Demokratischen Republik sein durfte. Bei deren Gründung im Steinsaal des späteren Hauses der Ministerien war ich unter jenen, welche das historische Ereignis von den Zuschauerplätzen aus verfolgen konnten, mit Sicherheit der Jüngste.
Niemals hätte ich mir in dieser Sternstunde der Geschichte unseres Volkes vorstellen können, daß unter BBD-Ägide ausgerechnet in Karlshorst, wo Hitlers später gehenkter Feldmarschall Keitel im Mai 1945 vor Stalins Heerführer Shukow kapitulieren mußte, einmal staatlich geschützte Plakate der legalen Faschistenpartei NPD zu deren Einzug ins Bundesparlament aufrufen würden. Wäh-
rend die DDR für Deutschland Ehre einlegte, schändet die BBD Tag für Tag dessen Namen.
Auch deshalb war die Zerschlagung der DDR die größte Niederlage des Antifaschismus und der Arbeiterbewegung auf deutschem Boden.
Kehren wir zum Ausgangspunkt der Betrachtung zurück.
Es gilt Verständnis dafür aufzubringen, daß Jüngere und Heranwachsende völlig anderen Einflüssen ausgesetzt sind und unter mit den unseren absolut unvergleichbaren gesellschaftlichen Bedingun-
gen aufwachsen. Wir haben auf Redliche, denen der konterrevolutionäre Sieg und der Schmerz über eigenes Versagen in kritischer Stunde vorübergehend den klaren Blick nahmen, keine Steine geworfen. So müssen wir auch jenen, die von den uns „heiligen Kühen" gar nichts wissen können, mit Fairneß und Geduld begegnen. Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund, was keineswegs mit Tatenlosigkeit gleichzusetzen ist. Prinzipienfestigkeit und Toleranz gehören für uns zusammen.
Als im Herbst 1989 Wankelmütige und Abdriftende das Schicksal von SED und DDR besiegeln halfen, versammelten sich Abend für Abend Tausende vor dem Berliner ZK-Gebäude der Partei. Sie forderten Auskunft und warteten auf ein Hoffnungssignal. Fahnen und Spruchbänder waren in der Menge zu sehen. Für einen Augenblick erfaßte die Fernsehkamera auch das von einem kleinen
Jungen emporgehaltene Schild. Auf ihm stand von Kinderhand geschrieben: „Denkt auch an mich!" Sein Träger war, wie ich dann am Bildschirm erfuhr, mein jüngster Sohn. Der ist inzwischen 33. Sein um 11 Jahre älterer Bruder, der ihn damals geschultert hatte, arbeitet seit etlichen Jahren als Internet-Redakteur bei der „jungen Welt". Zwei ihrer Geschwister und deren Lebenspartner beken-
nen in der Linkspartei Farbe. Dieser Tage sagte der Jüngste fast beiläufig zu mir: „Es ist wohl an der Zeit, daß ich mich kommunistisch organisiere."
So nimmt die Zahl der Nachwachsenden, die uns verstehen und zu uns stoßen, allmählich wieder zu. Tun wir etwas dafür!

Klaus Steiniger

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